Taschen voller Geldscheine in einer Wohnung, ein Koffer mit Bargeld in einem Hotelzimmer, eine Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments festgenommen. Im Dezember 2022 erschütterte Qatargate die EU-Institutionen. Fast vier Jahre später ist der Fall noch immer nicht verhandelt, hat aber gerade eine entscheidende Hürde genommen.
Die Razzia vom Dezember 2022
Am 9. Dezember 2022 führte die belgische Polizei in Brüssel eine Reihe von Durchsuchungen durch. Dabei wurden rund 1,5 Millionen Euro in bar beschlagnahmt, davon 600.000 Euro in der Wohnung des ehemaligen italienischen Europaabgeordneten Antonio Panzeri sowie weitere Summen bei der griechischen Europaabgeordneten Eva Kaili, damals Vizepräsidentin des Parlaments, und im Hotelzimmer ihres Vaters.
Nach Angaben der Ermittler sollen Katar und Marokko versucht haben, Entscheidungen des Europäischen Parlaments gegen Geld und Geschenke zu beeinflussen. Beide Länder haben dies stets bestritten.
Der Kronzeuge
Antonio Panzeri, eine Schlüsselfigur des Falls, schloss im Januar 2023 eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft: Er erklärte sich bereit, die Beteiligten zu benennen, im Gegenzug für eine Haftstrafe von fünf Jahren, davon vier auf Bewährung.
Im Laufe der Ermittlungen wurden weitere Abgeordnete belastet. Alle bestreiten die gegen sie erhobenen Vorwürfe.
“Taschen voller Bargeld im Herzen der europäischen Demokratie.”Die Zusammenfassung eines außergewöhnlichen Falls
Ermittlungen angefochten, dann bestätigt
Die Verteidigung griff lange die Rechtmäßigkeit der Ermittlungen an. Im Februar 2026 entschied das belgische Berufungsgericht, dass diese keine schwerwiegenden Mängel aufweisen und die Strafverfolgung fortgesetzt werden kann.
Stand April 2026 war noch kein Prozesstermin festgelegt. Doch zum ersten Mal seit Langem kommt Bewegung in den Fall.
Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung, solange ihre Schuld nicht vor Gericht bewiesen ist.
