Ein Umschlag mit Bargeld, übergeben in Dubai. Ein bezahltes Treffen in einem Luxushotel. Ein Haus in Polen, teilweise auf fremde Kosten gebaut und eingerichtet. Laut der Ende Januar 2026 von der US-Staatsanwaltschaft entsiegelten Anklageschrift soll sich ein türkischer Bauunternehmer auf diese Weise die Gunst eines NATO-Beschaffungsbeamten erkauft haben.
Wer sind die beiden Männer?
Bahadir Hatipoglu, 50, ein in Litauen lebender türkischer Staatsbürger, ist Eigentümer und Leiter eines türkischen Bauunternehmens, das Aufträge der NATO und des US-Militärs erhielt.
Ralf Grywnow, 70, ein in Polen lebender deutscher Staatsbürger, arbeitete für die NSPA, die Unterstützungs- und Beschaffungsagentur der NATO, die für Logistik und Einkauf des Bündnisses zuständig ist. Beide Männer wurden in ihren Wohnsitzländern festgenommen; Washington arbeitet mit Litauen und Polen an ihrer Auslieferung.
Die mutmaßlichen Geschenke
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Hatipoglu Grywnow „mit Geld und anderen Formen der Vergütung“ bezahlt haben. Zu den beschriebenen Gefälligkeiten gehören:
- ein Umschlag mit Bargeld, den ein Mittelsmann überbrachte, während sich Grywnow in Dubai aufhielt;
- ein „romantisches Treffen“ mit einer Frau in einem Hotel in Dubai, bezahlt von dem Unternehmer;
- die Übernahme eines Teils der Kosten für den Bau eines Hauses in Polen, für Möbel und eine Küchenrenovierung.
Was er im Gegenzug gegeben haben soll
Im Gegenzug soll Grywnow dem Unternehmen laut Anklageschrift bei NATO-Bauaufträgen eine bevorzugte Behandlung gewährt und gefälschte Bewertungen seiner früheren Leistungen unterzeichnet haben, in denen er es für künftige Projekte des US-Militärs empfahl.
Der genaue Wert und der Ort der betroffenen Aufträge wurden nicht öffentlich gemacht.
“Ein Umschlag mit Bargeld, eine Nacht in Dubai, ein Haus in Polen.”Die mutmaßlichen Bestechungsleistungen laut Staatsanwaltschaft
Was ihnen droht
Beiden werden jeweils ein Fall der Verschwörung zum Betrug mittels elektronischer Kommunikation (Wire Fraud) und vier Fälle dieses Betrugs zur Last gelegt. Auf jeden Anklagepunkt stehen im Fall einer Verurteilung bis zu 20 Jahre Haft.
Eine Anklageschrift ist lediglich eine Beschuldigung. Für Bahadir Hatipoglu und Ralf Grywnow gilt die Unschuldsvermutung, solange ihre Schuld nicht vor Gericht bewiesen ist.
